Hunger Hydraulik Gruppe
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Dr. Ing. e. h. Walter Hunger

Pionier der Fluidtechnik verstorben

Dr. Ing. e.h. Walter Hunger
Dr. Ing. e.h. Walter Hunger (Foto: Hunger)
Nach kurzer schwerer Krankheit ist Dr. Ing. e. h. Walter Hunger am 04.12.2008 im Kreise seiner Familie in Würzburg sanft entschlafen. Ein Leben voller Initiative und unermüdlicher Schaffensfreude ist zu Ende gegangen. Improvisation, Forschung und Entwicklung sowie Unternehmensgeist sind Inhalte seines Lebens gewesen. Als Ingenieur mit Leib und Seele war er stets Vorreiter neuer Technologien. Damit schuf er die Grundlage für die Entwicklung eines traditionsreichen und erfolgreichen Familienunternehmens zu einem der weltgrößten Hydraulikhersteller: der international agierenden Hunger Hydraulik Gruppe.

Am 4. April 1925 in Chemnitz geboren und von seiner Mutter aus wirtschaftlicher Not auf der Entbindungsstation zurückgelassen, begann für Walter Hunger eine schwere Kindheit bei verschiedenen Pflegefamilien. Nach Abschluss der Schule begann der 14-jährige eine Schmiedelehre. Als Geselle wurde er 1942 zur Wehrmacht eingezogen, wo er zunächst als Meldereiter und Pferdehalter beim Regimentskommandeur eingesetzt war. Noch 1945 entschloss sich der 20-jährige, der inzwischen die Meisterprüfung abgelegt hatte, sein eigener Chef zu werden. Sein erster Verkaufsschlager waren Pferdewagen mit von Geschützen abmontierten Gummireifen. 1948 folgte ein Kippmechanismus für Lastzüge, der so gefragt war, dass Walter Hunger schon nach kurzer Zeit eigene Hydraulikzylinder für die Kippfahrzeuge herstellen musste. 1950 kaufte Walter Hunger ein altes Sägewerk in Frankenberg, Sachsen, und baute die erste Halle in Eigenleistung aus Trümmern auf. Bereits 1951 bekam er Exportaufträge aus Polen, Österreich und Rumänien und wuchs in den Folgejahren zu einem der größten Privatbetriebe der DDR heran.

1956 begann die DDR-Regierung allerdings mit verstärkten Repressalien gegen den aufblühenden Privatbetrieb. Als der Staat zwei Jahre später die Ablieferung aller Patente sowie eine Mehrheitsbeteiligung durch den Staat verlangte, entschlossen sich Walter Hunger und seine leitenden Angestellten 1958 zu einer spektakulären Flucht, die sich im Herbst diesen Jahres zum 50. Mal jährte. In Westdeutschland angekommen resignierte der inzwischen 34-jährige keineswegs, sondern begann mit dem erneuten Aufbau einer Firma in Lohr am Main, der Walter Hunger Comp. OHG.

Seit dieser Zeit war der Aufstieg zur Hunger-Hydraulik-Gruppe nicht mehr zu bremsen. Über 200 Patente und Schutzrechte bilden heute den soliden Grundstock für die von Hunger entwickelten Produkte, allen voran Groß- und Sonderzylinder, aber auch Dichtungs- und Führungselemente, sowie Hydraulikkomponenten wie Drehverteiler, Schwenktriebe, Ventile, Gelenklager, Schleifmittel, Sattel- und Anhängekupplungen etc.

1991 erfolgte die Rückübertragung von Walter Hungers Firmen in Ostdeutschland sowie die Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Technische Universität Chemnitz. Eine besondere Ehre und Würdigung seiner Arbeit war auch die Verleihung des Umweltpreises des Bundesverbandes der deutschen Industrie 1995 durch die damalige Bundesministerin für Umwelt und derzeitige Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel. 1996 wurde Walter Hunger aufgrund seines sozialen Engagements und seines beruflichen Erfolgs das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Er war Leitbild und Visionär, seine Botschaft war stets, Erreichtes zu bewahren und Neues zu schaffen. Wer Herrn Dr. Walter Hunger kennen lernen durfte, weiß, dass rasten und ruhen für ihn Fremdwörter waren. Noch mit 82 Jahren war er persönlich auf der Hannover Messe 2007 anwesend, um die Gäste zu begrüßen und die Neuheiten der Hunger-Gruppe zu präsentieren.